... Da kann sich ein frisch aus dem Kindergarten gekommener kleiner Mensch – neben allen anderen Anforderungen von Schule – schon mal überfordert fühlen. „Sich in dem großen System zurechtzufinden, ist das Schwierigste für Kinder, die von der Kita in die Schule wechseln“, weiß Elke Pawellek, Leiterin der Grundschule Oyten. Damit der Übergang im Sommer gut gelingt, geht die Schule in Kooperation mit den drei Kitas in ihrem Einzugsbereich neue Wege: Die Vorschulkinder experimentieren jetzt zusammen mit Zweitklässlern in der Schule in Lernwerkstätten. Thema: Luft.
Auf das Projekt haben sich Lehrkräfte der Grundschule Oyten und Erzieherinnen des evangelischen Kindergartens, der katholischen Kita St. Paulus und der kommunalen Kindertagesstätte Am Berg in enger Zusammenarbeit rund ein Jahr lang vorbereitet – zumeist in ihrer Freizeit übrigens. In regelmäßigen Teamsitzungen und gemeinsamen Fortbildungen, angeleitet und betreut von einem Referenten des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (Nifbe), wurden Inhalte und Umsetzung dieser neuen Form der Zusammenarbeit erarbeitet und ausgestaltet.
Die soll den angehenden Erstklässlern im gemeinsamen entdeckenden und sozialen Lernen mit jetzigen Zweitklässlern im Rahmen von spielerischen, kreativen und sportlichen Angeboten ein erstes Kennenlernen der Schule ohne Hemmschwellen ermöglichen. Zum Experimentieren in der Lernwerkstatt kamen am Dienstag als erste die Vorschulkinder des evangelischen Kindergartens für einen Vormittag in die Grundschule an der Schulstraße. Gestern waren knapp 20 kommende Schulanfänger der Kita St. Paulus zu Besuch und nächste Woche folgen die Vorschulkinder der Kita Am Berg. Ihr Partner ist jeweils eine der 2. Klassen.
Kita-Kinder und Grundschüler verteilen sich nach dem gemeinsamen Auftakt in der Aula auf drei Gruppen, die im Wechsel die drei Stationen ansteuern: Sport und Spiel in der Turnhalle, eine unterrichtsähnliche Lernwerkstatt im Klassenraum und das freie Experimentieren in der Forscherwerkstatt im Keller. Thema ist überall Luft. In der Turnhalle sausen Papierflieger, Federbälle und ein Schwungtuch durch die Luft, im Klassenraum wird mit Stift und Papier zum Thema gearbeitet und in der Forscherwerkstatt werden Federn mit Strohhalmen über den Tisch gepustet und Luftballonraketen gezündet. In den gemischten Gruppen bilden nicht nur künftige und jetzige Schulkinder Teams, sondern auch Lehrkräfte und Erzieherinnen.
„Das Kennenlernen macht vieles einfacher“
„Das gegenseitige Kennenlernen macht vieles einfacher“, sagt Monika Sachse, Leiterin der Kita St. Paulus. Das gilt auch für die pädagogischen Fachkräfte in allen beteiligten Einrichtungen: Absprachen und Informationsaustausch flutschen leichter, wenn man sich vertraut ist. Dazu hat das gemeinsame Fortbildungsprojekt viel beigetragen – was wiederum förderlich ist für den guten Übergang der Schützlinge von der Kita in die Schule.
Vorbereitende Schulbesuche von Kindergartenkindern gibt es schon lange als Bestandteil der pädagogischen Arbeit, aber jetzt „waren mal neue Ideen gefragt“, so Elke Pawellek. Deshalb beschlossen die Grundschule und die drei Kitas in ihrem Einzugsbereich, sich beim Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung um die Projektqualifizierung Lernwerkstätten zu bewerben. „Früher haben wir Extrastunden für Kindergartenkinder gemacht“, erinnert die Grundschulrektorin –, „jetzt profitieren alle.“ Neben dem Ansatz des entdeckenden Lernens liegt der Blick auf dem sozialen Lernen: Kleine lernen von Größeren, Größere übernehmen Verantwortung für Kleinere.
Im besten Fall sind die Zweitklässler den Kindern, die nach den Sommerferien eingeschult werden, nicht nur schon ein bisschen bekannt, sondern werden für sie eine Art Paten in der Schule. Auf jeden Fall kommen die Kinder mit einer guten Vorbereitung „ganz anders bei uns an“, sagt Elke Pawellek, „sie kommen selbstbewusster in die Schule und trauen sich mehr zu.“ Leander jedenfalls ist gestern auf den Geschmack gekommen: „Ich möchte immer hier sein!“, schwärmte der St.-Paulus-Junge in der Schulturnhalle. Kita-Leiterin Monika Sachse lachte: „Das können wir einrichten – ab Sommer.“ J pee



